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Santa Cruz Trek: Vier Tage allein durch die Cordillera Blanca

Vier Tage, rund 50 Kilometer und ein Pass auf 4750 Metern: Auf dem Santa Cruz Trek in Perus Cordillera Blanca habe ich Sonne, Regen und Schneeregen erlebt – und einen Morgen am Alpamayo, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Santa Cruz Trek auf einen Blick

  • Lage: Parque Nacional Huascarán, Cordillera Blanca, nördlich von Huaraz
  • Strecke: von Vaquería (ca. 3700 m) über den Pass Punta Unión (4750 m) nach Cashapampa (ca. 2900 m), rund 47 km, mit Abstecher zum Alpamayo Base Camp rund 52 km. Die Route geht auch in umgekehrter Richtung.
  • Dauer: drei bis vier Tage
  • Anreise: Colectivo von Huaraz nach Yungay, weiter nach Vaquería. Zurück von Cashapampa über Caraz nach Huaraz.
  • Eintritt: 60 Soles (ca. 16 €) für den Nationalpark (Stand Mai 2026)
  • Guide: nicht vorgeschrieben, der Weg ist gut zu finden
  • Ausrüstung leihen: In Huaraz lässt sich fast alles leihen, zum Beispiel ein Zelt ab 25 Soles (ca. 7 €), ein Schlafsack ab 15 Soles (ca. 4 €) und ein Kochset für 7 Soles (ca. 2 €) pro Tag (Stand 2026)
  • Verpflegung: Unterwegs gibt es nichts zu kaufen. Offenes Feuer ist verboten, ein Kocher gehört ins Gepäck.
  • Beste Reisezeit: Trockenzeit von Mai bis September

Ursprünglich wollte ich bis in den Süden Chiles und dort ein wenig wandern. Dabei hatte ich ganz vergessen, dass dort im April und Mai langsam, aber sicher der Winter einzieht und die Bedingungen dann alles andere als rosig sind.

Nach kurzer Recherche bin ich auf die Cordillera Blanca in Peru gestoßen: Top-Wandergebiete, tolle Aussichten, zeitlich fast perfekt. Es braucht nur einen Zwischenstopp in Huaraz, dem Dreh- und Angelpunkt für sämtliche Outdooraktivitäten in der Cordillera Blanca.

Also: Los geht’s!

Preisliste eines Ausrüstungsverleihs in Huaraz mit Preisen in Soles für 2026
Was das Leihen von Ausrüstung in Huaraz kostet: Preise pro Tag in Soles (Stand 2026).
Blick zurück auf ein weites Tal mit Flussbett, Santa Cruz Trek
Die Cordillera Blanca: ein Paradies zum Wandern.

Tag 1: Von Vaquería Richtung Punta Unión

Der Wecker klingelt um halb fünf in Huaraz – eigentlich viel zu früh. Aber für den viertägigen Santa Cruz Trek, den ich im Voraus aufmerksam studiert habe, wird es sich gewiss lohnen. Das hoffe ich zumindest. Ich deponiere mein Hauptgepäck im Hostel und mache mich um fünf Uhr auf den Weg. Um halb sechs erwische ich ein Colectivo nach Yungay, eine Stunde später bin ich dort. Nach kurzer Wartezeit ergattere ich den letzten freien Platz im Colectivo nach Vaquería, dem Startpunkt des Treks auf der Ostseite.

Weißer Kleinbus mit Gepäck auf dem Dach vor einem Hostal in Yungay im Morgenlicht
Frühmorgens in Yungay: Das Gepäck kommt aufs Dach des Colectivos.

So weit, so gut!

Schon die Fahrt nach oben ist das erste Highlight: Über enge Serpentinen schlängeln wir uns bergauf, vorbei an türkisfarbenen Lagunen, die zwischen den schneebedeckten Gipfeln schimmern. Heftig schön. Am Eingang des Parque Nacional Huascarán halten wir, um die Nationalparkgebühr zu löhnen: 60 Soles für mehrere Tage Naturwunder.

Punkt zehn Uhr geht die Wanderung bei strahlendem Sonnenschein los. Die ersten Stunden führen durch grüne Wiesen, vorbei an hohen Gipfeln und wunderschönen Plätzen zum Zelten. Campen darf man hier überall, solange man den Platz so verlässt, wie man ihn vorgefunden hat. Nach etwa einer Stunde lege ich die erste Pause ein, im Bewusstsein, dass heute der anstrengendste Tag wird. Also Rucksack abnehmen, durchatmen, die Landschaft wirken lassen. Mein Ziel für heute ist ein „Perfect Spot between Rocks“ auf etwa 4300 Metern, rund drei Kilometer hinter dem Zeltplatz Paria. Er hat mich neugierig gemacht, als ich die Route auf OpenStreetMap in Gedanken abgelaufen bin.

Bunt bepackte Esel auf einer grünen Wiese am Santa Cruz Trek, dahinter Berge und Wolken
Packesel tragen das Gepäck vieler Gruppen.

Nach drei Stunden geht es ziemlich steil bergauf, und die dünne Luft macht sich bemerkbar. Zum Glück komme ich nach rund 15 Kilometern noch vor Sonnenuntergang an und schlage mein Zelt auf. Kurz darauf bricht der Sternenhimmel über mir herein. Heftig, was hier abgeht! Die Milchstraße leuchtet so klar, dass man das Gefühl hat, nach ihr greifen zu können. Wie erwartet war der Tag ordentlich anstrengend, dafür wartet morgen umso weniger Aufstieg. Und die Nudeln mit Tomatensauce schmecken wie ein Festmahl.

Beleuchtetes Zelt unter der Milchstraße und Wolken in einem Tal der Cordillera Blanca, Peru
Die Milchstraße über meinem ersten Zeltplatz.

Tag 2: Über den Pass Punta Unión

Hab ich geschlafen? Anscheinend. Es fühlt sich nicht so an, aber irgendwie bin ich doch ausgeruht. Draußen ist es neblig, die Gipfel verstecken sich hinter grauen Wolken. 13 Kilometer liegen heute vor mir, und es ist der härteste Abschnitt des Treks, weil es lange bergauf geht.

Zelt zwischen Felsen und gelbem Gras, dahinter verschneite Gipfel und Nebelbänke, Santa Cruz Trek
Am Morgen hängen die Wolken tief zwischen den Gipfeln.

Es geht weiter bergauf in Richtung Punta Unión, mit 4750 Metern der höchste Punkt des Treks. Der Nebel wird immer dichter, die Sicht schrumpft auf wenige Meter. Pflanzen gibt es hier kaum noch, nur Schutt, Geröll und Steine, so weit das Auge reicht. Und Esel, die schwer bepackt und mit scheinbarer Leichtigkeit an mir vorbeitapsen.

Dann endlich: Punta Unión! Zum Glück habe ich mich ein paar Tage zuvor auf dem Chachani auf über 6000 Metern akklimatisiert, sodass mich die 4750 Meter nicht so sehr aus der Puste bringen. Auf der anderen Seite des Passes ragt eine irrsinnig hohe Felswand auf, und tief unten schimmert eine türkisfarbene Lagune durch den Nebel. So unfassbar schön – und so unwirklich. Ab jetzt sollte das Schlimmste geschafft sein, denke ich so bei mir.

Holzschild Punta Unión 4750 msnm zwischen Felsen, dahinter ein Tal im Nebel, Santa Cruz Trek
Geschafft: Punta Unión auf 4750 Metern.
Türkisfarbene Lagune unter einer hohen, verschneiten Felswand hinter dem Pass Punta Unión
Hinter dem Pass: eine riesige Felswand und tief unten eine türkisfarbene Lagune.

Doch dann sehe ich die Regenwolken kommen. Und sie verschwinden nicht mehr. Stundenlang wandere ich durch den Regen, vorbei an steilen Felswänden, grünen Tälern und Wildbächen. Die Szenerie ist so wunderbar, dass mir der Regen fast egal ist. Fast. Die letzten beiden Stunden sind schlimm. Noch zwei Kilometer bis zu meinem Ziel, dem Alpamayo Base Camp, das in vielen Berichten als Highlight des Treks angepriesen wird. Ich zähle bis 2000, um mich abzulenken. Zwei Kilometer können ewig dauern, wenn sich die Schuhe langsam mit Wasser füllen und der ganze Körper aufweicht.

Als ich bis auf die Knochen durchnässt ankomme, kommen mir fast Freudentränen. Ich bin der einzige Camper hier! Die Landschaft ist nicht von dieser Welt: Vor mir thront der Alpamayo (5947 m), oft als „schönster Berg der Welt“ bezeichnet. Sehen kann ich ihn allerdings noch nicht, er versteckt sich hinter dem Nebel, genau wie alle anderen Gipfel. Aber schon die knorrigen Bäume und die mystischen Blumen wirken wie aus einem Märchenbuch. Ich schlage das Zelt unter einem einladenden Baum auf, stecke die Füße in den Schlafsack und versuche, das Zittern loszuwerden. Kühe rennen vorbei, die sind vom Wetter wohl ebenso überrascht wie ich. Die Mac & Cheese tun sooo gut, zum Glück funktionieren die Feuerzeuge noch. Draußen fällt mittlerweile Schneeregen, aber im Zelt ist es gemütlich. Einigermaßen zumindest. Alle paar Minuten stecke ich den Kopf aus dem Zelt, um diese surreale Umgebung auf mich wirken zu lassen, und döse langsam weg.

Knorrige Bäume im Nebel am Alpamayo Base Camp, Santa Cruz Trek
Knorrige Bäume im Nebel am Alpamayo Base Camp.

Tag 3: Sonne am Alpamayo

Ich dachte schon, die Szenerie gestern sei krass. Aber was ich zu sehen bekomme, als ich morgens das Zelt öffne, haut mich um: ein perfekt sonniger Morgen, überall schneebedeckte Gipfel, und der Alpamayo zeigt sich endlich in voller Pracht. Ein Träumchen.

Der vergletscherte Alpamayo im Morgenlicht über dem Tal, Cordillera Blanca, Peru
Am Morgen zeigt sich endlich der Alpamayo.

Ich jauchze vor Freude und breite meine Klamotten aus, alles eiskalt und nass, in der Hoffnung, dass es trocknet. Die Kühe, die gestern noch vorbeigerannt sind, grasen friedlich. Naja, ganz so friedlich sind sie dann doch nicht: Neugierig beschnüffeln sie immer wieder meine Sachen, und ich muss meine Klamotten ein ums andere Mal vor ihnen in Sicherheit bringen. Barfuß spaziere ich durch die Märchenlandschaft und lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen. Nicht auszudenken, wenn es weitergeregnet hätte! Nebenan trotten die ersten Gruppen hinauf zur Laguna Arhuaycocha.

Schwarze Kuh grast vor verschneiten Gipfeln am Alpamayo Base Camp
Die Kühe grasen friedlich.

Später gehe ich selbst hinauf, die Füße in Plastiktüten in den Socken: kalt, aber immerhin nicht nass. Die Lagune auf 4420 Metern ist wunderschön, und viele der kleinen Pflanzen am Weg – Moose, Flechten, Blumen – habe ich noch nie zuvor gesehen.

Türkisfarbene Laguna Arhuaycocha mit Holzschild 4420 msnm, Santa Cruz Trek
Die Laguna Arhuaycocha auf 4420 Metern.

Danach geht es weiter. Die Sachen sind nicht trocken, aber auch nicht mehr eiskalt und nass. Sie baumeln außen an meinem Rucksack, während ich mich auf den Weg zurückmache, der bei schönem Wetter so viel angenehmer ist. Ab jetzt heißt es: Nur noch bergab. Aber nur nichts überstürzen, denn ich nehme die ersten Blasen an den Füßen und die ersten Schmerzen an der Schulter wahr. Der Weg nach unten bleibt unfassbar schön und lenkt mich von den körperlichen Strapazen ab: grüne Täler, Wasserfälle, Ruinen zum Ausruhen. Jedes Mal, wenn ich mich umdrehe, eine neue Sicht auf die Gipfel.

Das Camp Llamacorral, mein Ziel für heute und 14 Kilometer vom Alpamayo Base Camp entfernt, kommt nach ein paar Stunden in Sichtweite, ist aber noch eine gute Stunde entfernt. Mein größter Feind heute ist die Zeit: Ich will vor Sonnenuntergang ankommen und schaffe es gerade so.

Hier ist einiges los, viele andere Wandernde haben ebenfalls ihr Lager aufgeschlagen. Llamacorral ist der ideale erste oder letzte Rastplatz, je nachdem, aus welcher Richtung man kommt. Und wieder dieser Sternenhimmel! Meine Güte, bin ich froh, dass sich das Wetter gehalten hat.

Weites Tal mit Fluss, grasendem Schimmel und Zelten in der Abenddämmerung, Llamacorral
Kurz vor Sonnenuntergang in Llamacorral.
Beleuchtete Zelte im Camp Llamacorral unter dem Sternenhimmel
Und wieder dieser Sternenhimmel.

Tag 4: Hinunter nach Cashapampa

Nicht gut geschlafen, aber aus Erschöpfung bestimmt ein paar Stündchen. Die Schulter schmerzt inzwischen richtig, und aus den ersten Blasen sind sehr viele geworden. Ich verlasse den Platz als Letzter, heute sind es ohnehin nur noch zehn Kilometer.

Es geht nur noch bergab, bei sengender Hitze, vorbei an uralten Gemäuern, Kakteen und laut rauschenden Stromschnellen. Sehr schön, aber ich habe keinen Kopf mehr dafür. Ich mache kaum noch Fotos und schleppe meinen geschundenen Körper Richtung Cashapampa, dem Endpunkt des Treks auf 2900 Metern.

Am Ziel wartet schon ein Colectivo-Fahrer, der erst in jedem Dorf Pause machen will, mich dann aber doch zügig nach Caraz bringt. Von dort geht es weiter nach Huaraz. Geschafft! Erschöpft und glücklich starre ich aus dem Fenster und lasse die letzten Tage Revue passieren. Die werden sicher noch lange nachwirken.

Wanderweg neben einem rauschenden Fluss, voraus eine Reihe Packesel, Santa Cruz Trek
Auf dem letzten Stück nach Cashapampa.
Weißer Kleinbus in einer Schlucht in Cashapampa, Endpunkt des Santa Cruz Trek
Am Ziel wartet schon das Colectivo.

Packliste für den Santa Cruz Trek

  • Zelt, warmer Schlafsack und Isomatte – nachts wird es frostig
  • Regenjacke und Regenhose, auch in der Trockenzeit
  • Wasserdichte Wanderschuhe, Ersatzsocken und Plastiktüten als Notlösung
  • Kocher, Gaskartusche und zwei Feuerzeuge
  • Essen für alle Tage, unterwegs gibt es nichts zu kaufen
  • Wasserfilter: Fast überall am Weg fließt ein Bach, mit Filter ist Trinkwasser deshalb kein Problem
  • Stirnlampe
  • Sonnenbrille und Sonnencreme
  • Blasenpflaster
  • Offline-Karte auf dem Handy, zum Beispiel mit OpenStreetMap-Daten
Die Route ohne Abstecher zum Alpamayo
Wer sich den steilen Weg hinauf zum Alpamayo Base Camp nicht zutraut, kann ihn auslassen. Das entzerrt die Strecke etwas:

  • Tag 1: Vaquería – Paria (12 km)
  • Tag 2: Paria – Taullipampa (11 km), über den Pass Punta Unión
  • Tag 3: Taullipampa – Llamacorral (14 km), stets bergab
  • Tag 4: Llamacorral – Cashapampa (10 km)

Insgesamt sind das rund 47 km. Meine Route mit Abstecher zum Alpamayo Base Camp war mit 15, 13, 14 und 10 km rund 52 km lang.

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